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Karl-May-Lesereise: Auf Spurensuche mit Old Shatterhand und Winnetou

Dass der Mythos des Wilden Westens auch heute noch lebendig ist, zeigt nicht zuletzt der bei vielen beliebte Film Der Schuh des Manitu, der mit Ausrufen wie „Indianer!“ – „Servus!“ diese Abenteuerwelt humorvoll aufgreift und parodiert. Als im Unterricht eine kurze Szene daraus gezeigt wurde, wussten die Schülerinnen und Schüler sofort, wohin die Reise ging. Viele junge Menschen begegnen dem Thema heute eher über solche modernen Zugänge. Mit Karl Mays Erzählweise und seinen klassischen Abenteuergeschichten hingegen sind die wenigsten noch vertraut – umso spannender war es, gemeinsam in diese literarische Welt einzutauchen.

Am 4. Juni begaben sich die Klassen 5b und 6d zusammen mit Dr. Wieland Zirbs von der Karl-May-Gesellschaft auf eine Lesereise in den Wilden Westen. Im liebevoll dekorierten Musiksaal – gestaltet von den Schülerinnen und Schülern mit Plakaten, Playmobilfiguren und passenden Büchern – lauschten sie Auszügen aus Der Schatz im Silbersee.

Der Schatz im Silbersee war einst ein echter Jugendbuch-Bestseller – vergleichbar mit dem Stellenwert, den heute Bücher wie Harry Potter oder Gregs Tagebuch für viele Kinder haben. Die Lesung bot nicht nur eine spannende Reise in eine andere Zeit, sondern setzte auch Impulse, über den Wandel von Lesegeschmack, Erzählformen und Heldenfiguren nachzudenken – ein wichtiger Aspekt der Leseförderung.

Bereits im Vorfeld hatten sich beide Klassen im Deutschunterricht mit Karl May, klassischen Abenteuergeschichten, der Darstellung von Indianern und dem sagenumwobenen Universum des Wilden Westens beschäftigt. Diese Auseinandersetzung half dabei, den historischen Hintergrund besser zu verstehen und stereotype Darstellungen älterer Literatur kritisch zu reflektieren. Ein großes Lob gilt den Schülerinnen und Schülern, die sich mit viel Sorgfalt und Kreativität in die Vorbereitung eingebracht haben – das Ergebnis ihrer Arbeit kann noch einige Wochen in der Aula bestaunt werden.

Dr. Zirbs, Germanist und Karl-May-Experte, las jeweils ein Kapitel aus dem Roman vor und fesselte die Schülerinnen und Schüler mit seinem lebendigen, atmosphärischen Vortrag. Für viele war es ein besonderes Erlebnis, eine längere Geschichte einmal ganz bewusst vorgelesen zu bekommen – mit Ruhe, Spannung und Vorstellungskraft. Das Programm erstreckte sich über zwei Unterrichtsstunden: Nach einer kurzen Einführung folgte eine rund einstündige Lesung, an die sich ein offener Austausch mit Fragen und Gesprächen anschloss. Die Lesereise zeigte eindrucksvoll, wie lebendig Literatur werden kann, wenn man ihr Zeit und Raum gibt.

Diese Erfahrung greift die Klasse 6D nun selbst auf: In den kommenden Wochen gestalten die Schülerinnen und Schüler im Rahmen eines Buchprojekts eigene Mini-Lesungen. Dabei wählen sie Texte aus, bereiten kurze Präsentationen vor und erproben sich selbst in der Rolle der Vorleserinnen und Vorleser.

StRefin Verena Wallner

Gymnasium Landau an der Isar